Handelsblatt-Abendgespräch: „Neue Anforderungen an Rechnungslegung und Finanzkommunikation“

Gemeinsam mit der Handelsblatt Fachmedien GmbH und der Fachbuchhandlung Sack lud die Gesellschaft für kapitalmarktorientierte Rechnungslegung e.V. (GKR) am 07. September 2016 zum „Handelsblatt-Abendgespräch“ in die Räumlichkeiten der Fachbuchhandlung Sack in der Harkortstraße 7, Leipzig ein. Titel des Vortrags von Herrn Professor Zülch war „Neue Anforderungen an Rechnungslegung und Finanzkommunikation“.

Nach der Begrüßung durch Herrn Klaus Biehl, Geschäftsführer der Fachbuchhandlung Sack, referierte Herr Prof. Zülch, u.a. Vorsitzender der GKR, zuerst über Definition, Grundlagen und Vorteile der Finanzkommunikation. Dabei ergänzte er zu den theoretischen und empirischen Forschungsergebnissen auch praktische Beispiele. So ist es gerade für High Tech-Unternehmen sehr wichtig, eine verständliche und prägnante Equity Story zu entwickeln. Andernfalls würde das Gros der Kapitalmarktakteure nicht in der Lage sein, den Unternehmenswert fair zu bewerten.

Im Anschluss an die Einführung in die Finanzkommunikation wandte sich Herr Prof. Zülch dem Themenkreis des CSR-Reporting (Abk. für Corporate Social Responsibility, dt. Nachhaltigkeit) zu. Hierbei zeigte er auf, wie – ursprünglich durch Investorenbedürfnisse sowie durch (vorgeblich) aufrichtige CSR-Orientierung seitens der Unternehmen getrieben – das CSR-Reporting mittlerweile vom Gesetzgeber immer mehr reguliert wird. Aktuelles Beispiel hierfür sei die CSR-Richtlinie, die kapitalmarktorientierte Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern für Geschäftsjahre nach dem 31.12.2016 anwenden müssen. Herr Prof. Zülch äußerte sich kritisch unter anderem zur Unschärfe in der Formulierung der CSR-Richtlinie, weswegen man sich auf eine längere Lernkurve bei den anwendenden Unternehmen einstellen sollte.

Anschließend widmete sich Herr Prof. Zülch in seinem Vortrag dem mittlerweile auch vom IASB identifizierten „Disclosure Problem“ (dt. Offenlegungsproblem) als zweitem Themenkreis zu. Das Disclosure Problem beschreibt den Bedeutungsverlust klassischer Rechnungslegungsinstrumente sowie die drei Problemfelder des Reporting – (1.) Übermaß an irrelevanten Informationen, (2.) Mangel an relevanten Informationen und (3.) mangelnde Kommunikation von Informationen. Als Beispiel erwähnte Herr Prof. Zülch die Siemens SE, welche – um dem Disclosure Problem zu begegnen – ihren ehemals umfangreichen Geschäftsbericht zuletzt stark gekürzt hatte. Die Folge war jedoch, dass kaum Inhalte zur Strategie des Konzerns zu finden waren. Ein Kardinalfehler laut Herrn Prof. Zülch. Um dem Informationsüberfluss in der Finanzkommunikation und dem damit verbundenen Relevanzverlust entgegen zu treten, stellte Herr Prof. Zülch schließlich als dritten Themenkreis das RIC-Modell als Leitschnur für effektive Finanzkommunikation vor: Das RIC-Modell spiegelt die drei Dimensionen Reporting, Investor Relations und Capital Markets wider und gibt für die beiden ersten Dimensionen klare Vorgaben, um den häufigsten Informationsbedürfnissen der Investoren gerecht zu werden. Besonderen Wert legt das Modell überdies auf die Informationskonsistenz zwischen Reporting- und Investor Relations-Unterlagen.

Seinen Vortrag schloss Herr Prof. Zülch mit einem Fazit, das noch einmal die Wichtigkeit der Beherrschung des „kleinen 1×1“ der Finanzkommunikation – also das Fokussieren auf Entscheidungsnützlichkeit, auf Konsistenz und auf Glaubwürdigkeit – und die Wichtigkeit der stetigen Investororientierung – bspw. Aufnahme des rasanten Digitalisierungstrends – hervorhob. Das Handelsblatt-Abendgespräch endete mit einem lockeren Get-together, bei welchem die Teilnehmer nochmal die Gelegenheit nutzten, um untereinander und mit Herrn Prof. Zülch einzelne Punkte des Vortrags tiefergehend zu diskutieren.

 

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